Samstag, 20. Oktober 2007

Der weiße Overkill - und wie mich die Brautkleidmafia zur Kriminellen machte

Nur zu gerne stimmte ich zu als Johanna mich fragte, ob ich sie beim Brautkleidsuchen begleiten würde- eine sicher sehr lustige Angelegenheit! So trafen wir uns erst mal auf einen Kaffee in Jo´s Wohnung und Christian schien sichtlich erleichtert als wir wie zwei aufgeschreckte Hühner endlich aufbrachen. Am Ebertplatz bei Lilly wollten wir starten. Ich hatte inzwischen schon gelernt, dass man in die Wogen zwischen Weiß und Creme, zwischen Spitze, Strass und Tüll nur mit Termin eintauchen darf und so erwartete uns eine ruhige Atmosphäre, in der nur noch eine weitere Braut gerade nach ihrem ultimativen Kleid für DEN Tag suchte. Wir waren uns schnell einig über den Stil, über das, was wir mochten und was nicht. Es lief perfekt. Nun musste ich noch lernen, dass man Anproben nur ohne Schuhe betreten darf, dass weiß keineswegs weiß ist und dass man 7 Monate vor der Hochzeit bei der Auswahl des Traumkleides schon knapp dran ist!!! Die freundliche Dame hatte zumindest vollstes Verständnis dafür, dass wir Fotos machen wollten für Jo´s Mama in Österreich. So verließen wir nach gut 2 Stunden das Brautatelier und gingen schon recht zufrieden nach hause. Im Internet hatte Johanna allerdings noch ein Kleid entdeckt, dass sie unbedingt am selben Tag noch anprobieren wollte, wenn der Eindruck der anderen getesteten Stücke noch frisch ist. Stefan, der mich eigentlich für den gleichen Tag als Shoppingberatung gebucht hatte, zeigte sich sehr verständnisvoll, dass bei Mädchen so eine Kleiderwahl doch Priorität hatte und begab sich allein in die Höhle des Löwen der Herrenausstatter während Johanna und ich, mit Ines als weiterer Unterstützung, den Weg nach Kerpen antraten um zu einem Brautausstatter zu fahren, der nun eben das Stück aus dem Internet hatte. Unterwegs noch schnell bei McD gestärkt, auch wenn wir dann den Anfang der angekündigten Modenschau verpassen würden. Kaum bei "Cecile", einem unglaublichen Hochzeits-Eldorado- 2500 Modelle in Weiß, Champagner und Creme- eingetroffen, wurden uns auch sofort von einer resoluten Dame Plätze am Ende des Catwalk zugewiesen. Das ein oder andere schöne Stück wurde uns neben totalen Alpträumen vorgeführt, auch die Klamotten für die Herren der Schöpfung schreckten uns eher als dass sie uns begeisterten. Dann bekamen wir unsere persönliche Beraterin an die Hand, die uns in einen schier endlosen Raum voller Kleider in weiß, weiß und weiß führte. Überall waren Kabinen in denen die zukünftigen Ehefrauen laut schnatternd mit Unmengen Tüll, Seide und Spitze verschwanden. Erstmal einen Sekt. Und der stieg mir sofort zu Kopf. Auch Johanna hatte recht zügig eine ordentliche Auswahl zusammentragen lassen und so lehnten Ines und ich uns zurück und harrten der Dinge, die da kommen wollten. Nein, Fotos für Mama waren nicht erlaubt, erst wenn wir uns entschieden hätten. So haben wir es zumindest verstanden. Aber dazu später mehr. Was auf dem Bild toll aussah, ließ Johanna eher wie eine explodierte Klobürste wirken und dennoch dauerte es nicht lange bis es das erste Kleid in die engere Auswahl schaffte. Ich fand es ganz schön, aber irgendwie hat es mich nicht so recht überzeugt. Aber Jo hat eine wunderschöne Figur und kann wirklich viel tragen. Dann folgten wieder ein paar eher zweifelhafte Kreationen und dann schleppte die Verkäuferin ein Modell an, dass uns erst etwas skeptisch blicken ließ. Nun wusste ich von meinen zahlreichen bereits verheirateten Freundinnen, dass man oft das nimmt, was man vorher für unmöglich hielt und ein bisschen ging es uns bei diesem Kleid so. Aber Johanna ließ sich tapfer von uns überzeugen auch dieses Modell noch anzuziehen. Als sie aus der Kabine trat hat es mir ungelogen den Atem verschlagen und ich hatte Tränen in den Augen. Genau in diesem Kleid sah ich sie in Gedanken den Weg zum Altar gehen! Klingt kitschig, ich weiß, aber so war es. Nur hatte ich die Befürchtung, dass die Verkäuferin und ich mit unserer Meinung alleine da stünden. Aber nur kurz. Johannas Augen haben geleuchtet als sie in ihrer unvergleichlich österreichischen Art sagte: "Ich find das eigentlich ganz schön!" Ines schien auch irgendwann überzeugter, auch wenn meine Reaktion wohl irgendwie noch extremer war. Zum Vergleich wurde noch mal der bisherige Favorit angezogen und obwohl Johanna auch darin sehr hübsch aussah, gegenüber dem Anblick von ihr in dem anderen Modell wirkte sie ein bisschen wie eine graue Maus. Und sie hat es auch gemerkt, das Kleid fiel plötzlich völlig durch. Noch einmal das andere angezogen und unser aller Augen leuchteten wieder. Nun wollten wir ein Foto für Mama machen, als uns die Verkäuferin sagte, dass das nicht erlaubt sei. Es handele sich um ein Modell der neuen noch nicht veröffentlichten Kollektion und zwar würde sie gerne ein Foto machen, das müsse aber in der Akte mit dem Kaufvertrag verbleiben. Aber wie sollte Johannas Mama dann ein Urteil fällen? Nun gut, sie muss schnell nach Köln kommen und schauen. Oh, das täte ihr aber leid, sagte die Verkäuferin, das Kleid gehe Montag wieder auf die Reise. Ich konnte Johannas Enttäuschung gut verstehen, so ein Kleid sucht man normalerweise mit Mama aus, zumindest mit jemandem, der einen schon lange kennt. Und nun das... Das konnte ich unmöglich durchgehen lassen und so suchte ich immer wieder nach einer Möglichkeit heimlich ein Foto mit meinem Handy zu machen. Unsere Bewacherin schien sowas zu ahnen und wich uns nicht von der Seite. Ich kam mir vor wie ein Schwerverbrecher als ich immer wieder in der Hosentasche versuchte, die Kamerafunktion zu aktivieren um dann die Gunst der Sekunde zu nutzen. Was würde das für einen Ärger geben wenn man mich erwischte! Industriespionage und solche Anklagen schossen mir durch den Kopf, aber es gibt Momente wo eine Freundin tut, was eine Freundin tun muss! Ich weiß jetzt nicht mehr wie, aber ich habe es geschafft zwei Fotos zu machen, aber ob man darauf auch nur den Hauch einer Ahnung bekommen würde? Das konnte ich ja unmöglich vor Ort kontrollieren. Johanna war schwer geknickt, dass sie nun alleine eine Entscheidung treffen musste, aber da uns neben dem atemberaubenden Anblick auch der Preis und der just an diesem Tag erhältliche "Frühkäuferrabatt" überzeugte, hat sie sich durchgerungen eine Anzahlung zu leisten. Auch einer weiteren Verkäuferin entwich beim Vorübergehen ein "WOW!" und auch die Beraterinnen der Braut nebenan waren begeistert. Als ich Johanna leise sagte, dass ich bereits zwei Fotos gemacht habe waren sie und Ines doch erstaunt, nicht einmal die, die neben mir saß hatte meine Aktion bemerkt. Das hat mich beruhigt, obwohl ich immer noch glaube, dass die Verkäuferin etwas ahnte- schaute sie doch dauernd auf meine Hosentasche, in der mein Handy auf seinen Einsatz wartete. Aber sie hat nichts gesagt und so flüchtete ich, als Jo noch den Vertrag dingfest machte, nach draußen um endlich eine Kippe zu rauchen und meine Schnappschüsse aus der Hüfte zu begutachten. Nicht wirklich aussagekräftig, aber immerhin. Johanna war soo glücklich! Dass es inzwischen dunkel und nach 18h war (wir waren um kurz nach 15h da gewesen!) merkten wir erst jetzt und auch, dass wir alle total fertig waren. Was für ein aufregender Tag, der mich (und wie sich heute rausstellte, auch die anderen beiden) trotz totaler Übermüdung erst sehr spät schlafen ließ. Aber selten war ich meiner Sache so sicher und ich hoffe, dass es Johanna ähnlich geht und ihr Anblick ihrer Familie und vor allem Christian im Mai ähnlich wie mir einfach die Tränen der Begeisterung in die Augen treiben wird!

Apropos: Natürlich ist auf keinem der hier geposteten Fotos der gekaufte Traum zu sehen, denn das geht ja nun wirklich nicht! Fotos folgen dann im Mai! ;-)

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Siv du bist einfach herrlich und die allerbeste Brautkleidkauf-Begleiterin, die man sich nur vorstellen kann!!! Du hast meine Lieben - wie Mama, Schwesterlein und Schwiegermutter in spe - bestens - so gut das eben in so einer Situation möglich war - ersetzt!!!!DANKE DANKE DANKE

Zornröschen hat gesagt…

Und es ist wie ich gesagt hab, Johanna, es hat mir riesig viel Spaß gemacht und ich freu mich über Dein Vertrauen in meine Beratungsqualitäten... :-))
Jederzeit wieder!