So eines lese ich gerade. Der Autor wurde mir so ans Herz gelegt, und selten hat sich eine Empfehlung so gelohnt. Und gerade habe ich darin eine so schöne Beschreibung einer großen Liebe gefunden, dass ich sie hier teilen will. Der Protagonist, ein Journalist mit einer großen Affinität zum Meer beschreibt seine Liebe:
Wenn ich mit Franca zusammen bin, bin ich die ganze Zeit ausschließlich mit ihr beschäftigt, damit, was sie sagt und wie sie sich gibt, es gibt keinerlei Ablenkung, nichts sonst, ich bin völlig konzentriert und gespannt (und vielleicht deshalb hinterher, wenn ich wieder allein bin, beinahe leer und erschöpft). Der gesamte Raum um uns herum wird durch unsere Begegnung verändert, er erscheint aufgeladen, interessanter, als strahlte unsere Verbindung auf ihn aus, manchmal meine ich sogar, er würde, auch wenn es sich um einen ganz alltäglichen, banalen Raum handelt, „schöner“.
In diesem Zustand nehme ich unendlich viel wahr, und diese Wahrnehmung geht ein in unsere Gespräche, noch mit keiner Frau habe ich solche Gespräche geführt. Ich mochte immer die klugen Frauen, Frauen von einer raschen, hellwachen Klugheit, genau das zog mich an, im Falle Francas kommt aber noch etwas anderes hinzu, eine besondere Art sich zu bewegen, zu fühlen, zu schmecken, eine Art, die mir über alle Maßen gefällt, oder besser gesagt, eine Art, an der mich nicht das Mindeste abstößt oder irritiert. Meine früheren Verbindungen mit Frauen waren immer durchsetzt von kleinen Kompromissen, oft störten mich völlig unbedeutende Kleinigkeiten, die mit der Zeit eine unsinnige Bedeutung erlangten. Jetzt jedoch habe ich den seltsamen Wahn, als käme unser Sprechen und Fühlen aus einem gemeinsamen Zentrum oder Kern, ein Wort gibt das andere, wir geraten miteinander, könnte man sagen, in einen Zustand der ununterbrochenen, begeisterten Unterhaltung. Es ist eine Art von Verzückung, eine Hyper-Erregung, ein Paroxysmus, ich weiß nicht, wie ich es nennen soll, vielleicht ist es etwas Mystisches, dann hätten die alten Theologen eben doch Recht. Schwärmerei, Sprachwollust, Welt-Verwandlung....
Nachzulesen bei
Hanns-Josef Ortheil, Eine große Liebe,
btb-Verlag, Köln 2003, ISBN: 3-442-72799-5
Nachzuempfinden hoffentlich im wahren Leben... :-)
btb-Verlag, Köln 2003, ISBN: 3-442-72799-5
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