Sonntag, 25. März 2007

Shopping zwischen Technik und Fröschen

- und keine Schuhe diesmal.
Eigentlich ein typischer Samstagmorgen, einkaufen, Wohnung ein bisschen auf Vordermann bringen (ist das eigentlich der Sinn von Wochenende??) und Wäsche waschen. Toll. Nicht das, was ich nach einer anstrengenden Bürowoche gebrauchen kann.
Aber dann gibt es ja die Samstage mit Highlight. Letzte Woche war es Niklas im Småland und Ulrike mit ihrem neuen Bett, für diese Woche hieß die Belohnung Shoppingtour mit Simone. Schaufenster gucken, Kaffeetrinken gehen, Leute beobachten und ein bisschen liebevoll lästern – Lästerschwestern on tour eben. Die Vorfreude war groß. So groß, dass ich sogar die Fahrt zu meiner Autowerkstatt auf meinen ersten Urlaubstag am Donnerstag verschoben habe. Macht ja nichts, wenn ich fast anderthalb Stunden vor dem vereinbarten Treffpunkt schon mal die Strecke in Augenschein nehme. Kann ja nie schaden. Also ab in die nächste U-Bahn, Musik auf den Ohren und in Gedanken bei meiner Liste, was ich alles entdecken und ershoppen wollte. Plötzlich gucke ich so den Waggon entlang und am anderen Ende kam mir doch eine Person sehr bekannt vor. Keine Brille dabei, aber das ist doch.... ich hab wohl so ein dummes Gesicht gemacht, dass besagte Person auf mich aufmerksam wurde und uups, das war sie, meine Verabredung Simone. Waren wir sonst schon stolz wenn wir uns via Handy in ein und dieselbe Bahn telefonierten (immer Wagen 2) sind wir inzwischen offensichtlich ein so eingespieltes Team, dass wir es sogar ohne Absprache schaffen. Was hast Du denn schon so vor? Och, Du, nix. Wollte nur nicht mehr warten. Na, dann, auf geht´s.

Unser erstes Ziel war Saturn, wollten wir als eingespieltes Technik-Shopping-Team (haben wir doch schon mit Zollstock meinen neuen Fernseher ausgesucht!) eine Webcam für mich erstehen, damit die unselige Tipperei jeden Abend bis in die Nachtstunden ein Ende hat. Dass dabei gerne mal der ein oder andere Verkäufer mit unseren unqualifizierten Äußerungen ein Stückchen Richtung Wahnsinn oder Frührente getrieben wurde nahmen wir dabei gern in Kauf. Hatte ich diesmal auch den Zollstock zuhause gelassen, wir hatten schnell unsere eigenen Kriterien für das richtige Gerät entwickelt. Drei Webcams von Logitech waren in der engeren Auswahl. Die erste fiel schon mal aus, weil uns von der Packung zwei kleine Kinder anlächelten und die Kamera weiß war und aussah wie ein Hühnerprodukt, dass es nicht zum Osterei geschafft hatte, auf der zweiten strahlte ein junges Paar glücklich über ihre Webcam-oh weh, die einzige Freude in ihrem Leben? Gott bewahre! Auf der dritten grinste eine Omi, die eher zu Kukident gepasst hätte und letztlich auf Nummer vier eine Mutter mit Kind. Die Kamera gefiel uns zwar von der Farbe am besten, harmonierte sie doch mit dem "Blake Carrington-Sibergrau" meines Laptops, aber eine alleinerziehende Mutter mit Kind erschien uns zunächst nicht auf die richtige Zielgruppe hinzuweisen, bis wir den dazugehörigen Vater unter dem Preisschild entdeckten. Klar, dass das auch die teuerste Kamera war, handelte es sich bei den glücklichen Eltern sicher um Doppelverdiener. Naja, egal, wir nahmen es als gutes Omen und die Kamera mit zur Kasse. Bei dem Marsch durch die Küchengeräte vom Waffeleisen bis hin zu riesigen Kühl- Gefrierkombinationen mit wunderbarem extra Schrank für gut gekühlten Riesling gerieten wir in die Fänge eines Staubsaugervertreters, der mir stolz einen knapp 160€ teuren Fakir andrehen wollte, weil der doch ein Fassungsvermögen von sage und schreibe 4,5 Litern Dreck hat und man den Schlauch quälen kann ohne dass er Schaden nimmt. Sprachs und würgte ihn zum Beweis. Wir bekamen es mit der Angst zu tun und da ich weder ein Riesenferkel noch ein Hausgerätevergewaltiger bin, konnte ich guten Gewissens ablehnen und hab ich mich ganz schnell verabschiedet. Noch schnell in der DVD-Abteilung geschaut ob für unseren nächsten Schnulzen-DVD-Brunch noch was schönes dabei war und dann noch einen kritischen Blick auf die CD-Neuerscheinungen von Simones Kundschaft geworfen. Haben aber auch ja alle Barden brav vermerkt vor wessen Linse sie da geraten waren? Herrlich, wann auch sonst bin ich mal so ausgiebig in der Schlagerabteilung unterwegs?! Nur als ich anfing unzählige Lieder zu summen, wurde es meiner Begleitung vielleicht ein wenig peinlich.-
Nach so viel Abenteuer erst mal zur Stärkung einen leckeren Latte Macchiato mit sündhaftem italienischem Mandelgebäck im "Galestro"... anschließend haben wir uns einfach in der Masse der Shoppingwütigen treiben lassen. Diverse Tchibo-Filialen und andere Läden mit unwichtigen Nippes später wussten wir immerhin, dass Reisetaschen mit allzu festem Boden die Schienbeine malträtieren und Vogelsang in der Breiten Straße liegt. Ich hoffe sehr, dass es bei Strauss keine versteckte Kamera gab als ich dem Vogelgezwitscher zwischen den Regalen auf den Grund ging.
Dass mein Geschenk an Simone, Lästerschwester-Socken mit Froschkönigen drauf- denn die werden ja zu Prinzen wenn man sie küsst, also die Prinzen nicht die Socken, klar oder ? – nur der Beginn einer Verfolgung durch diese grünen Wesen war und meine Freundin beinahe zu traumatisieren drohte, konnte ich ja nicht ahnen und ist in ihrem Blog daselbst nachzulesen. Aber nachdem wir Fröschen inmitten von Osterdeko- Massen in unzähligen Schaufenstern begegneten- aus Holz, aus Plüsch, gar aus Frottee-wurden wir in der Buchhandlung schlussendlich überschwemmt von Büchern von und für Froschkönige und Froschprinzessinnen. Wie gesagt, sie verfolgten uns und wir flüchteten heimwärts nach Ehrenfeld und baten dann im Lizbät Kerstin und Hüseyin an unseren Tisch. Beide versehen mit ordentlich Knoblauch, denn eines wollten wir heute bestimmt nicht mehr – Frösche küssen.

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