Mittwoch, 29. Juli 2009

Mittelmeer. 10.07.2009.
Heute: Fremdschämen und verhinderter Kaufrausch

Freitagnachmittag ging es los. Flughafen Köln-Bonn. Mit Condor nach Palma de Mallorca. Fremdschämen für die Besucher des Ballermanns begann aber schon in Köln. Junge Mödchen mit T-Shirts mit der Aufschrift: "Ich werde Bierkönigin. Asozial macht fun." ließen mich schon erste Aggressionen aufkommen.
Ansonsten klappte alles soweit ganz gut, das nahezu vollverspiegelte (sic!) Hotelzimmer hatte zwar schon bessere Zeiten gesehen, aber der Ausblick auf den Yachthafen entlohnte für fast alles. Nachdem wir bereits am Abend beim Bummel durch ein paar kleine Marktstände den ersten Kaufrausch unterdrückt hatten, wollten wir uns mit einem Cocktail belohnen. Und ich wollte nun bei meinem zweiten Besuch auf der Insel nun ins Abaco. Ich wusste, dass die Cocktails horrend teuer sein würden, durch besichtigende Touristen der alte spanische Palast nicht wirklich gemütlich sein würde. Aber ich wollte sie gesehen haben, die üppige Deko aus frischen Blumen und frischem Obst. Fotos darf man da eigentlich nicht machen und ich wollte mich zunächst auch daran halten. Aber ich wäre die einzige gewesen. Also haben auch wir besichtigt, bis ein Plätzchen für uns frei wurde. Ein Blick in die Karte war ernüchternd. Da las man zwar schöne Namen von alkoholischen Getränken, leider konnte man sich aber nichts darunter vorstellen, denn die Ingredienzien blieben unerwähnt. Da ich bekanntermaßen nur süße Cocktails mag, bestellte ich einen First Kiss, in Hoffnung etwas süßes, rotes zu bekommen. Ha! Kaum bestellt, wandten sich zwei junge Mädchen vom Nachbartisch an uns: "Habt Ihr einen First Kiss bestellt?" "Ja." "Der schmeckt total scheiße, willste mal probieren?" Nee, wollte ich nicht, aber er sah sch*** aus, langweilig. Na egal, mein Spanisch reicht niemals aus um dem mürrischen Ober zu erklären, warum ich nun doch nichts mit diesem Kuss zu tun haben wollte. Also musste ich da durch. Sandras Wahl war eindeutig besser, auch wenn ich den Namen vergessen habe. Der First Kiss war einfach nur Hochprozentig, etwas scharf im Abgang. Aber er half. Half zu ignorieren, dass die Märsche, die da aus dem Lautsprecher drangen so unsagbar laut waren, als würde man in der Tuba selber sitzen. Unsere Trommelfelle ächzten und stöhnten. Und wir lachten. Nein, gackerten. Immer lauter und lauter. Bis plötzlich doch - wenn auch ebenso laut - Händels "Halleluja" ertönte. Und es Rosenblätter regnete. Ein Antrag? Wie romantisch! Oder ein Geburtstag? Auch schön. Nein, klärten uns unsere deutschen Tischnachbarinnen auf, die immer noch gemeinsam an ihrem einen First Kiss nippten, das sei hier freitags immer so. Und wir sollten den Kellner um Fächer bitten, die gäbe es nämlich nur auf Nachfrage. Okay. Erst genossen wir den Rosenregen (die Mädels dekorierten auch gleich unseren Tisch mit Blüten, wir sollten doch nicht leer ausgehen.)und dann verfolgten wir den Kellner. So einen Fächer konnten wir schon gut gebrauchen, denn von dem Drink, der mich irgendwie an Wundbenzin erinnerte, wurde mir wirklich warm. Geschmacklich wurde das Ding zwar auch mit zunehmendem Genuss nicht besser, ich habe aber dennoch einen zweiten bestellt. So ein Urlaubsbeginn will doch gefeiert werden und nach 2 Drinks und 32 Euro dafür war ich gut angetrunken und reif für´s Bettchen. Und morgen ging es doch auf See, da muss man vorher ordentlich schlafen. Buenas noches!

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