Montag, 1. Oktober 2007

Morgen! Ganz sicher! - endlich entschuldigt mich die Wissenschaft

Ich kann gar nichts dafür- und allein bin ich auch nicht auf der Welt. Ich habe es immer geahnt!Angeblich leidet sogar jeder 5. daran. Selbst an vermeintlich freien Tagen bin ich nicht frei davon. Aber ab sofort ist Schluß mit dem schlechten Gewissen! Worum es hier geht? Immer wieder ärgere ich mich schwarz über mich selbst, wenn ich mir zwar ganz fest etwas vorgenommen habe- und mal wieder tausendundeinen Grund finde, meine Vorsätze immer und immer wieder zu verschieben. Oder anders genannt: Ich habe solange ein Motivationsproblem, bis ich ein Zeitproblem habe! Ein super Beispiel- die Steuererklärung. Da muss erst ein Brief vom Finanzamt und eine Frist kommen, bis ich meinen Hintern bewege. Das Flurputzen, Bügeln, unangenehme Telefonate, Keller ausmisten - was auch immer. Die Beispiele sind ungezählt! Und immer finde ich tausend Dinge, die dann noch eben schnell wichtiger sind. Aber jetzt weiß ich es, ich leide an Prokrastination - oder leihenhaft ausgedrückt an der "Aufschieberitis". Leider erst seit Mitte der Achtziger erforscht und deshalb wohl noch nicht sooo bekannt und entschuldigt. Und was hab ich mich gequält...umso schöner, dass mir nun auch endlich Intelligenz von so einem Psychologen doch noch so nett bescheinigt wird: "Intelligente Menschen neigen dazu, renitent zu werden, wenn man ihnen mit Forderungen und Strafandrohungen kommt." Ja, genau. renitent bin ich auch. Nur dass ich die Forderungen meist selbst an mich stelle. Hm, also der Vergleich hinkt, aber intelligent lasse ich mich gerne nennen. :)
Liebe Mitleidende! Alles an uns Aufschiebern ist aber gar nicht schlecht, wie eine Studie von 2005, veröffentlicht im Journal of Social Psychology belegt. "Aktive Prokrastination könnte sogar von Vorteil, wenn nicht gar notwendig sein, wenn jemand in einer nicht vorausplanbaren, sich schnell verändernden Umgebung arbeitet. Hier könnten aktive Prokrastinatoren sogar effizienter als andere arbeiten, weil sie nicht stur ihren vorher festgelegten Plan weiterverfolgen, sondern spontan auf unerwartete Ereignisse reagieren können." Na, da kann der Verband sich ja richtig glücklich schätzen mich zu haben, was?

Mein liebstes Zitat aus dem oben verlinkten Spiegel-Artikel von Sigrid Neudecker (April 2006)- und sie bedient sich auch noch genau meiner Beispiele- eine Schwester im Geiste also, ist aber:
"Chronische Prokrastination, also das gewohnheitsmäßige Aufschieben einer Tätigkeit, die erledigt werden muss, ist nicht etwa eine schlechte Angewohnheit, die man mit strenger Hand und einer ordentlichen Kopfwäsche einfach abstellt. Sie hat auch nichts mit mangelndem Zeitmanagement zu tun, sondern ist eine handfeste Arbeitsstörung. Was den chronischen Aufschieber freilich prompt dazu bringt, zu sagen: "Ich habe eine Störung! Ich kann gar nicht anders!"

Und genau das will ich Euch offensichtlich mit diesem Post sagen...Mist, durchschaut!

edit: Steuererklärung hab ich jetzt gemacht- nun muss ich nur noch ausdrucken und ein paar Belege kopieren - mal schauen wie lange ich dafür brauche. Aaaaargh!

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Liebe Siv - Du Goldstück !

Ich ahnte es auch schon lange - eigentlich bin ich intelligent...aber wissen es die anderen ? Bin ich nun an der richtigen Arbeitsstelle? Und was sagt der Artikel zum Verhalten beim Anblick eines dicken Stapels Renten/Kur/Versicherungs/Versorgungsamtsanträge? Ich hatte so auf eine ultimative - definitive Entschuldigung gehofft, aber irgendwie...? Liebe Grüße von einer ...wie hieß das noch ?

Zornröschen hat gesagt…

Jaja, solche Antragsberge zählen auch! Doppelt, mindestens! *grins* Das Problem ist ja nur, dass die meisten unsere Störung noch nicht anerkennen- tja, was machen wir denn da....