Und doch stelle ich mich immer wieder derartigen Abenteuern, statt einfach die Finger davon zu lassen. In dieser Woche sollte nun also ein Navigationsgerät Einzug bei mir halten und ich war ganz happy als ich am Freitag endlich diesen kleinen Kerl namens TomTom 710 GO in den Händen hielt. Schick sah er aus, im silbergrauen Anzug, klein (aber das ist in diesem Fall ja gewünscht) und ziemlich intelligent. Klingt nach einem Traummann, oder? (Und die Bedienungsanleitung gabs gleich dazu- wenn das mit den großen Jungs doch auch so einfach wäre.) Die Kurzanleitung schien sogar blondinenkompatibel, aber dummerweise musste ich am Wochenende nirgends hin und Autofahren um des Navi willen- das mache nicht mal ich. Also sollte heute morgen der erste Einsatz sein- und das obwohl ich den Weg ins Büro nach Gremberghoven inzwischen beinahe im Schlaf finde. Also schön an die Scheibe gepappt und das bereits einprogrammierte Ziel "Arbeit" gewählt. Und was soll ich sagen- nichts passierte. Stattdessen sah ich zwar meine Straße auf dem Display, aber leider links unten auch immer die Meldung "Warte auf gültiges GPS-Signal". Hm, naja, er muss sich erst an mich und Neu-Ehrenfeld gewöhnen. Stand ja auch in der Anleitung- anfangs kann es etwas dauern bis sich der Kleine zuhause fühlt. Und bei bewölktem Himmel sowieso. Na gut. Ich bin ja tolerant und dass man bei diesem so wenig sommerlichen Sauwetter nicht so will wie man eigentlich kann verstehe ich auch. Als ich aber eine halbe Stunde und gute 17km später im Büro ankam, war Tomtom gedanklich immer noch in der Leyendeckerstraße und da wurde ich schon leicht grummelig. Ab und an mal mit ihm auf den Balkon gegangen zum Luftschnappen und in den Himmel gucken, aber auch da wurde ich nicht milder gestimmt- keine Reaktion. Das Ding wollte einfach nicht wie ich. Okay, wir haben ja noch die Heimfahrt und da lasse ich mir Zeit, bis der Herr sich bequemt mir endlich mit der Stimme von einem weiteren Herrn namens "Werner" den Weg zu weisen. Ich mache es kurz- nix war´s! Mitten auf der Autobahn fragt mich das Ding ob ich mich vielleicht in einem Gebäude befände! Glaubt der ich bin blöde??! Aber zuhause liegt ja die Anleitung und ich habe sicher nur irgendeine Kleinigkeit bei der Bedienung vergessen. Gelesen und nochmal gelesen- nö, alles richtig gemacht. Komisch. Naja, schneller ging es, so das schlaue Buch, wenn man TomTom auch mal ins Internet ließe. Na, dafür hab ich www-süchtige doch Verständnis. Sprachs und wies ihm den weg via USB. Vorher natürlich brav eine Sicherung des kleinen Mannes gemacht, strikt nach Anweisung. Update runtergeladen, installiert und dann neustarten. Wenn, ja wenn er sich denn hätte starten lassen. Das Mistding ging nicht mehr richtig aus, aber auch nicht richtig an. Stattdessen strahlte mir der Bildschirm in einem eleganten Silbergrau entgegen- und tut es noch.
Wer mich kennt, weiß, ich war drauf und dran dieses Gerät an die Wand zu werfen. Einfach so. Voller unbändiger Wut. Manche mögen diese Reaktion cholerisch nennen, ich nenne sie normal, verständlich, angemessen. Erwarte ich zuviel von einem so hochgelobten Gerät? Eigentlich soll es mir doch nur den rechten Weg weisen und das auch nur auf der Straße, stattdessen werde ich nun nach langer Recherche im Internet mit einer aufgebogenen Büroklammer diesem Miststück zu Leibe rücken. Schaun wir mal. Ansonsten bestätigt sich, was schon Generationen von Frauen meiner Familie wussten: Kleine Männer sind gefährlich, oder zumindest häufig nicht zu gebrauchen. Und wenn dann noch ein Doppelname dazukommt....
edit: Typisch Mann, jetzt macht er auf versöhnlich. Kaum droht man mit Trennung und gibt noch eine allerletzte Chance, erzwungen mit vorgehaltener Büroklammer gibt er alles um mich wieder milde zu stimmen. In buntesten Farben weiß er jetzt sogar dass mein Wohnzimmer zum Heimatort gehört und spricht wie ein Buch. So ein Pech- jetzt mag ich nicht mehr wegfahren...
edit2 - Meine erste Fahrt mit TomTom.
Ja, er spricht. Ich verstehe nicht immer, was er meint, aber das bin ich ja gewohnt- die unterschiedliche Kommunikation von Männern und Frauen. Alles wie im wahren Leben! "Geradeaus abbiegen" ist allerdings auch eine Anweisung, die sich in meinen Augen selbst widerspricht, aber gut. Ich will ja gar nicht so sein. Erschreckend fand ich allerdings, dass ich mich dabei ertappte, ihm zu antworten: "Geradeaus abbiegen, dann bitte links halten. Bitte links halten." "Mach ich doch, Schätzchen!"
Aber über Sinn oder Unsinn der Routenplanung meines neuen Freundes wird noch zu reden sein. Dass der kleine Mann keine Ahnung von Kölner Berufsverkehr hat, okay, woher auch. Er ist ja neu hier. Aber warum er mich von der A59 kurz vor "meiner" Ausfahrt Gremberghoven noch auf die A4 schicken möchte soll mir das Ding doch mal erklären. Prompt entfuhr mir ein "Was soll das denn jetzt, Liebelein!? Nee, das kannste gleich vergessen!" Ich glaube ich bin a) definitiv zu lange Single und b) URLAUBSREIF!!!! (Und das, wo ich doch dank TomTom jetzt auch in der entlegensten spanischen Hochebene meinen Weg finden kann...)
Naja, das ein oder andere Mal hab ich mich dann auch einfach über seine Anweisungen hinweggesetzt- und er wurde gar nicht so böse oder gar hysterisch wie ich das von anderen Navigationssystemen gewohnt bin. Braaaav! Vielleicht hat er schon heute gemerkt, dass ich mir nur ungern von Jungs was sagen lasse und hat lieber gleich mal diplomatisch den Mund gehalten. Ich habe ihn mir also schon am ersten Tag unserer Beziehung gut erzogen und kann mit Fug und Recht behaupten: "Sie haben Ihr Ziel erreicht!"
2 Kommentare:
Jetzt weiß ich endlich,warum ich mich schon so lange gegen einen solchen Mitfahrer wehre - obwohl Michael´s Blicke bei Bening ja immer sehnsüchtiger werden...Wie immer - einfach schön zu lesen - wie heißt es denn nun - eine treue Fanin (?)
Gruß an Michael, vielleicht "heilt" ihn mein Bericht ja, ansonsten leih ich Euch den jungen Mann mal zum Testen, kein Problem! Und ich grüße wie immer meine treuste Fan-Frau im hohen Norden!!!*winke.winke*
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