Kaum die erste Hürde "Parkplatzsuche" überstanden, schoben wir uns im Gewühl der glücklichen Kleinfamilien in den blau-gelben Konsumhimmel, der heute durch die Anzahl unserer Co-Besucher eher wieder der Vorhof zur Hölle werden wollte. Begrüßt wurden wir dabei - eigentlich wie immer- via Lautsprecher mit den Worten „Der kleine Niklas möchte aus dem Småland abgeholt werden!“ Ein bisschen „Täglich grüßt das Murmeltier“, nur heißt das sonst auch schon mal Laura, Lena, Finn oder in Köln gerne auch mal Severin. Willkommen in Schweden!
Das Bett an sich war eigentlich schon ausgesucht, MALM mittelbraun sollte es werden. Aber dann entdeckten wir den MALM Rollwagen, der sich so schön über das Bett schieben ließ und Träume von Frühstück im Bett in unseren Köpfen entstehen ließ. Keine Gedanken an Krümel in den Kissen. Und dann erst das zugehörige Kopfteil! Was sich darin alles unterbringen ließ, wenn man denn nur Platz genug hat, um die Schubladen auch auszuziehen. Gemessen, gerechnet und wieder gemessen. Gedanklich alles wieder umgestellt. „Der kleine Niklas will aus dem Småland abgeholt werden!“ Wieder gemessen. Oh, Niklas möchte nicht mehr, er will schon! Lieber noch einmal nachmessen. Ich war in meinem Element der Zentimeter, dem Maß aller Kaufentscheidungen. Da sage noch mal einer es komme nicht auf die Größe an. Ich stehe dazu, ich kaufe gerne mit Zollstock ein, Simone kann es bestätigen, sogar meinen Fernseher hab ich so gekauft – aber das ist eine andere Geschichte.
Zurück zu MALM und Co. Alleine die Matratzenwahl für das gute Stück gestaltete sich mitunter äußerst schwierig. Probeliegen ist eines, aber so eine Matratze ist ja eine Anschaffung fürs halbe Leben und statistisch gesehen verbringt man über 20 Jahre seines Daseins im Schlaf, den Großteil davon vermutlich im eigenen Bett. Also haben Ulrike und ich uns die Entscheidung wirklich nicht leicht gemacht. Wir haben gelegen, uns gedreht, ein bisschen gehopst sind wir auch. Uli hat sogar noch den Telefonjoker befragt Und dann hatten wir sie gefunden- FURUDAL, das Herz von Ulrikes neuer Bettstatt. Ok, das klingt jetzt als wäre es eine zügige getroffene Entscheidung gewesen, nein nein...unterbrochen wurde sie noch von einer Portion Graved Lachs und den legendären Köttbullar zur Stärkung, dann doch noch einmal hinlegen, drehen, hopsen. Dann die nächste Frage, die es zu klären galt: Nehmen wir alles am selben Tag mit, lassen wir alles liefern oder nehmen wir das mit, was ins Auto passt? IKEA selbst nahm uns die Entscheidung ab, denn der Lattenrost ist, anders als noch vor einigen Jahren bei meinem eigenen, nicht mehr im Selbstbausatz erhältlich.
Nach so vielen schwierigen Entscheidungen haben wir uns letztlich wie immer in der Markthalle belohnt, ein bisschen über den Verfall der alten IKEA- Marken gejammert („Warum haben sie nur FENOMEN- Kerzen aus dem Programm genommen, sie waren eine so feste Größe auf unseren Einkaufslisten..“) und uns diverse Käufe verboten. Oder hätte es doch Sinn gemacht dem süßen Schaukel-Elch ein neues Zuhause zu bieten wo doch weder ein Kind noch ein potentieller Vater im Anmarsch ist? Im Ausverkauf kostete er ja nun auch nur noch die Hälfte. Dann hätte man ihn wenn es mal eines Tages so weit wäre. Die kluge Frau sorgt schließlich vor. Und verfolgt hat er mich auch durch den ganzen Laden, immer wieder. Nun ja, er blieb in Godorf. Als wir kurz vor der Kasse waren kam die immer verzweifeltere Stimme aus dem Lautsprecher "Der kleine Niklas muss aus dem Småland abgeholt werden!" Den Nachsatz "...sonst werde ich zu einer Axt schwingenden Irren!" hörten wohl nur wir zwischen den Zeilen heraus. Sicher hatten wieder Eltern IKEA-Mitarbeiter als kostenlose Babysitter missbraucht und gönnten sich derweil zuhause ein Sektfrühstück, wie es angeblich ja häufiger vorkommt. Oder, so eine andere unserer Vermutungen, hatte jemand die Sache mit dem Umtauschrecht zu weit ausgedehnt.
Nach diversen Stunden zwischen jungen Kleinfamilien, Jungpärchen und Studenten mit Eltern im Schlepptau auf der Suche nach der Einrichtung der ersten eigenen Wohnung gelangten wir aber im schwedischen Mikrokosmos in Godorf zu immer mehr immer tiefergreifenden Erkenntnissen, die Ulrike zum ersten Mal auf den Punkt gebracht hat als wir in diesem Möbelhaus unseres Vertrauens gar Schlafanzüge kauften. „Ich glaube ich träume heute nacht von Elchen auf Rot“.
Als wir die Heimat von BILLY, IVAR und KLIPPAN schlußendlich verließen wurde es draußen langsam dunkel. Trotz des angekündigten Schneesturms kauften wir beide noch Sonnenschirme und Ulrike hat noch ihren ganzen Balkon ausgestattet- der Sommer wird schließlich kommen, irgendwann. Und immer nur im Bett liegen geht ja schließlich auch nicht. Noch schnell ein paar Heringshappen in Aquavit und eine Flasche Vanille Wodka für die stolze Bettbesitzerin und dann hieß es Kofferraum wieder umpacken. Ulrikes Feststellung aus der Teppichabteilung „Andere kaufen Gleitcreme, wir kaufen Gleitschutz“ hatte zwar den Nagel auf den Kopf getroffen, brachte uns hier aber auch nicht weiter. Gleitcreme wäre hilfreicher gewesen. Aber wir haben es, wie immer, geschafft. Und ich überlege nun ganz ernsthaft auch bei mir eine neue Bett-Ära einzuleiten, die Matratzenentscheidung hab ich ja schon getroffen.
edit: Was aus Niklas wurde weiß ich übrigens nicht, vielleicht sitzt er immer noch im Småland und heult, zum Trost kriegt er aber bestimmt einen Schaukel-Elch...
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