Mittwoch, 29. Juli 2009

[Mittelmeer. 13.07.2009
Ein Geschenk, verlorene Blümchen und ein Schläfchen mitten auf der Verkehrsinsel]

Früh morgens erreichten wir Neapel. Es hieß früh frühstücken, denn bereits vor 9 Uhr ging es los in Richtung Pompeji. Dort hatten wir, während Cesare, unser Klischeeitaliener, der uns durch die Anlage führen sollte, die Karten besorgte, etwas Zeit uns bei den Souvenirständen umzusehen. Eine alte Italienerin, mit nur noch einer Handvoll Zähne im Mund und einem wunderbar faltigen Gesicht hatte es auf mich abgesehen. In radebrechendem Englisch versuchte sie mich zu beschwatzen. Ob ich aus den USA käme, dort hätte sie eine Freundin. Nee. Aus Germania? Ja. Da hätte ihr Bruder lange gelebt, bei Frankfurt. Aha. Ich gebe zu, im ersten Moment war ich extrem genervt, wollte ich weder eine Lavakette noch sonstigen Kitsch erwerben. Dann aber nahm sie meine Hand und zog mich zum Ständer mit den Postkarten. Ein prüfender Blick und schon hatte sie gefunden, was sie suchte. Eine Karte mit verschiedenen Motiven von Pompeji. Ihre knochigen Finger zeigten auf die Marienabbildung in der Mitte. Das sei Maria und die Karte wolle sie mir schenken, das würde mir Glück bringen. "Because you are so beautiful." Mein Dank war sehr herzlich und sehr ehrlich.
Die Anlage war sehr beeindruckend, aber die bereits jetzt - lange vor Mittag- sengende Hitze trübte das Vergnügen ein wenig. Cesare scheuchte uns. "Meine Blümchen, immer in den Schatten!" Is klar, das machten wir schon intuitiv. Wir haben viel gesehen, allein zwei Mosaike kannte ich noch aus meinem Lateinbuch. Besonders schön war die Villa des Faun und alle wollten ausgiebig fotografieren. Das hat Cesare aber irgendwie nicht in seiner Planung vorgesehen und kaum hatten wir uns versehen, war unser Cesare mit den meisten seiner Blümchen im Labyrinth der alten Gassen verschwunden. Eine gute Handvoll, Sandra und ich mittendrin, war ratlos. Weg war er. Da hatte er doch einfach ein paar Blümchen, so nannte er uns immer, vergessen. Na gut, hier finden wir auch alleine und ohne Plan raus. Haben wir auch. Aber das Freudenhaus und die Mysterienvilla blieben so von mir unentdeckt (ob die anderen das noch gesehen haben in den verbleibenden 20 Minuten weiß ich nicht). Wir haben es jedenfalls zeitig zum vereinbarten Treffpunkt geschafft, verschwitzt gönnten wir uns noch ein leckeres Eis. Das können Italiener wirklich! Mmmh. Als wir wieder heil an Bord waren (jaja, brav Hände desinfiziert!) waren wir wirklich platt obwohl es erst früher Nachmittag war. Sandra döste auf dem Bett, ich zog die Hängematte auf unserem Balkon vor, um kurz zuhause anzurufen. Und ich schlief ein, umgeben von unglaublichem Gehupe, war unser Liegeplatz doch offensichtlich auch ein Knotenpunkt der örtlichen Straßen. Und so schlief ich quasi wie mitten auf der Verkehrsinsel, begleitet von leichtem Schaukeln unserer Hängematte. Herrlich. Das ist Urlaub!
Pünktlich zum Ablegen um 20 Uhr fanden sich alle wieder auf ihren Balkonen und oben an Deck ein, um begleitet von Enyas "Orinoco Flow" dem Ablegemanöver zu folgen. Den jungen Herren, die uns losmachten, haben Sandra und ich gut gelaunt gewunken - und wenn wir vergessen hätten, dass wir in Italien waren, wir wären nun daran erinnert. So herzlich haben sie uns Kußhände zugeworfen.
Vorbei am Vesuv und Capri im Abendlicht ging es weiter- Richtung Rom.

Spruch des Tages 1: (nachdem der Fotograf am Ende der Gangway ein Foto von Sandra und mir gemacht hatte und auf dem Display kontrollierte) "Danke, passt!" (Na, so bildfüllend sind wir ja auch nun nicht.)

Spruch des Tages 2: "Bitte beeilen Sie sich mit dem Fotografieren. hinter uns kommt eine GruppeJapaner - die müssen heute noch ganz Italien schaffen." (Cesare)

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