Dienstag, 3. März 2009

[Woche der Musik- Volume 1]
Lang ist relativ

Eine tolle Idee von Susi mich zu "Play Loud! Johnny Cash at san Quentin" zu schleppen. Im Schauspielhaus wollte Harald Schmidt sein Lieblingsalbum vorstellen. Von Johnny Cash muss man Susi und mich nicht überzeugen, der "Man in Black" hat bei uns schon lange einen festen Platz. Normalerweise, das muss ich zugeben, bin ich allerdings kein besonders großer Harald Schmidt-Fan, obwohl ich seinen Humor und seine Intelligenz durchaus zu schätzen weiß. Machen wir´s kurz: er hat mich vollkommen überzeugt. Während uns das Extrem-Berlinern des Gastgebers Jürgen Kuttner ein bisschen auf den Senkel ging (es wirkte so unglaublich gewollt), traf Herr Schmidt es so häufig in seinen Beschreibungen einfach nur auf den Punkt. Sein Wortwitz war wirklich...super. Alleine die Carter-Family mit "mentaler Planwagen" zu umschreiben - treffender kann man es wohl auch nicht sagen. Aber er hat Johnny Cash glaube ich - soweit ich das überhaupt sagen kann-wirklich verstanden.
Das lockere Geplauder am Anfang mündete dann darin mit ca 300 anderen im Fast-Dunkel dem Konzert von Johnny Cash in San Quentin zu lauschen. Der Originalscheibe und nicht dem künstlichen aufgeblähten Remix, das vor einigen Jahren als CD erschien. Laut wurde es, das besagte aber ja auch der Titel der Veranstaltung. Aber die Zuhörer rutschten zumeist genüsslich tiefer in ihre Sessel und schlossen ebenso genießend die Augen wie Schmidt und Kuttner auf der Bühne. Kurz fühlte man sich als einer der Insassen, die anno 1969 diesem Auftritt beiwohnen durften. Man wurde quasi in die Musik hereingezogen. Ein echtes Erlebnis. 4 Songs, Platte umdrehen. Kurzer Talk und wieder 4 oder 5 Songs auf der B-Seite.

Kaum ging das Licht wieder an, meldeten sich zwei Nasen lautstark zu Wort, ein Pärchen offensichtlich, so etwa um die 60. Ohne jemandem zu nahe treten zu wollen - im letzten Leben, also vor der Rente, waren die bestimmt Sozialpädagogen oder so was. "Das war viel zu lang!" *quengel.nerv* Immer und immer wieder, so als hätten wir sie nicht verstanden. Doch haben wir, aber wir wollten diesen Schwachsinn einfach ignorieren. Das haben die beiden offensichtlich genauso wenig verstanden wie das, was sie da grade hätten erleben können. Aber Harald Schmidt wäre nicht Harald Schmidt, wenn er nicht die passenden Antworten für die zwei parat gehabt hätte. Auf die erste Beschwerde reagierte er nur mit "LANG ist relativ. Die meisten Insassen hatten Lebenslänglich.", auf die zweite sprach er das aus, was wir alle dachten: "Eine Langspielplatte heißt so weil sie nicht kurz ist." Und ich hätte gerne noch erwidert, dass jeder, der diesen Abend besuchte, vorher wissen konnte WIE LANG GENAU das Album ist. 8 oder 9 Songs alles in allem. Mann, wie beschissen kann man sein, manchmal kotzen mich Leute, die immer und überall was zu nörgeln haben so unglaublich an. Sorry, dass ich mich dieser unschönen Sprache in diesem Fall bedienen muss, aber hier hilft auch kein Euphemismus mehr.
Liebe Nörgler, bleibt bitte zuhause. Auch morgen beim Boa-Konzert und Freitag bei Sisters of Mercy. Ich wollte es nur beizeiten schon gesagt haben. Danke.


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