Dienstag, 18. November 2008

Wer braucht Ritter in Rüstung, wenn er Freunde hat?

Wer mich kennt weiß, für mich ist nur eine tote Spinne, eine gute Spinne. Als mich letzte Woche ein wirklich ganz schauerlich großes, fettes und hässliches Exemplar in meinem Wohnzimmer heimsuchte, war es vorbei mit meiner Ruhe. Ich erinnerte mich zwar an die zahlreichen Tipps, die ich von Freunden bei der letzten phobischen Erfahrung bekommen habe, aber diese Mutation erschien mir wenig geeignet mich des Staubsaugers zu bedienen. Vermutlich hätte sie mich angegrinst, mir den Sauger aus der Hand genommen und gegen mich gerichtet. Ehrlich wahr. So habe ich, nachdem ich das erste Mal nicht starr vor Schreck und stumm war, sondern das Haus zusammengeschrieen habe, versucht das Vieh vom Flur aus zu beobachten. Aber pfiffig wie Thekla war hat sie einen kurzen Moment der Unachtsamkeit genutzt und hat sich verkrümelt. Aber wohin zwischen dem ganzen Plunder, den zahllosen Büchern? In Gedanken ging ich mein Telefonbuch durch und musste feststellen, dass ich von vielen nicht wusste ob sie auch arachnophobisch veranlagt sind oder nicht. Kadriye ist definitiv aus der Fraktion der Tapferen und sie darf ich auch rund um die Uhr anrufen, aber das nützt mir nichts weil sie derzeit beruflich im Nordirak weilt. Die Anreise wäre definitiv zu weit. Tja, wer noch? Na, egal. Ich kläre das morgen früh, dachte ich mir, und klebte zur Sicherheit den großen Spalt unter der Tür mit Malerkrepp zu. So ein Schlafzimmer ist doch auch sehr gemütlich. Am nächsten Tag wurde ich im Kollegenkreis teils belächelt, teils verständnisvoll in meinem Ekel bestärkt. Aber so richtig bitten mag man um Hilfe ja auch nicht, ein bisschen peinlich ist mir das schon. Nun denn, Dana hat mutigst ihre Hilfe angeboten (Danke auch den anderen Willigen!) und kam nach einem harten Tag und Sport noch ganz zu mir gefahren um sich der Herausforderung zu stellen. Wir haben das Monstrum auch recht schnell entdeckt („Siv, guck bitte nicht hin, ich hab sie gefunden!“) und Dana wollte mutig mit dem Kleenex in der Hand zugreifen. Aber da hat Thekla sich gedacht: „Kein guter Tag zum Sterben“ und schwups, war sie hinter dem Regal verschwunden. Nachdem wir noch eine Weile auf sie gewartet hatten, gaben wir auf. Ich habe nach einem Tag endlich das Licht ausgemacht (das ging abends vorher nun wirklich nicht mehr, ich lauf doch nicht quer durch die Gefahrenzone) und den Malerkrepp wieder festgepappt. Samstag begann ich langsam gefallen an dem Wohnen auf dem Bett zu finden, aber Sonntag fühlte ich mich doch langsam recht eingeschränkt in meinem Bewegungsradius. Und dann telefonierte ich mit Ulrike, die sich dann auch als nicht so arachnophobisch outete. Gesagt getan, sie kam, ich entdeckte die Mutation und Ulrike hat einem blöden Werbeprospekt endlich eine sinnvolle Aufgabe zuteil werden lassen und …Thekla möge in Frieden ruhen. Sie hätte ein langes und glückliches Spinnenleben führen können, wenn sie doch nur nicht in meine Bude gekommen wäre. Pech gehabt, Schätzchen! Zur Belohnung gings dann erstmal mit Ulrike in „Ein Quantum Trost“ und Daniel Craigs Augen entschädigen für viel. Ein bisschen wäre ich aber auch gern tapfer, so ein kleines bisschen. Ein bisschen James Bond in mir, das wär´s…


…und jetzt kommt mir nicht mit Konfrontationstherapie und so was…neeee, ohne mich!

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Liebe Siv ! Keiner kann Dich so gut verstehen wie ich ...Mäuse, Frösche,egal was - no problem - aber S p i n n e n - NEE !Ich hätte bei diesem Exemplar sicher noch das Türschloss zugeklebt. Aber ich kann Dich auch ein kleines bißchen beruhigen : in ca. 20 Jahren,d.h. in meinem Alter, hat man sich zumindest an die kleinen oder dünnen Exemplare gewöhnt und klebt nicht mehr...
Ruhige, spinnenfreie Nacht wünscht Dir eine gestresste ( aber nicht von Spinnen) Fanfrau