Heute ging es wieder über die Grenze. Ich wollte gerne zum Obersalzberg und mal schauen, wo ich einst so schwierige Dreharbeiten organisiert habe. Zu Herrn H. und "seinem Berg" brauche ich hier wohl nicht mehr viel zu sagen, ich bin aber froh mir das zumindest im Schnelldurchgang einmal angeschaut zu haben, wenn ich auch nicht viel Neues erfahren habe. Aber irgendwo muß sich das Studium ja mal auszahlen... Danach ging es zum "Windbeutelbaron" (ja, der heißt wirklich so), wo wir..na? Was wohl gegessen haben? RICHTIG! Windbeutel. Die sind da ungefähr so groß wie der Watzmann, den man von der Terrasse so wunderschön bewundern konnte und ich habe es nicht geschafft ihn aufzuessen. War meiner doch gefüllt mit Sahne, Vanilleeis und Schokosauce, Nicoles mit sahne und Eierlikör. Fast schon pervers, das ganze.

Die Abfahrt vom Berg bescherte uns rauchende Bremsen, aber ein beherzter Griff zur Wasserflasche ließ uns unser Ziel Ramsau doch noch heil erreichen. Am Abend zuvor hatten wir uns via HRS ein Zimmer in einer kleinen, sehr familiären Pension gebucht - Bergbachrauschen inklusive. Kaum ein bisschen ausgeruht, ging es zum Königssee und irgendwie hatten wir doch etwas ganz anderes erwartet. Erst der Schock, dass man schon vor dem Örtchen auf einen riesigen Parkplatz gewunken wird, dann eine Straße, die an die Alpenversion der Schinkenstraße auf Malle erinnerte mit Freßtempeln und Souvenir-Overkill. Egal. Volles Programm hatten wir uns geschworen und so ging es auf eines der Ausflugsschiffe. Wir wussten wirklich nicht viel über den See und die Gruppe der Atter-, Wolfgangs-, Mond- und sonstiges-Seen rückte in weite Ferne. Leise glitt das Boot, das nur mit Strom fährt (schließlich ist das Gebiet seit den 70er Jahren Naturschutzgebiet) mit 12km/h über das Wasser. Umrahmt von beinahe senkrechten Felswänden. Und gute 200 Meter unter uns nichts als Wasser. Wie fragte mein Vater später so schön am Telefon: "Und? Habt Ihr auch einen geblasen bekommen?" Ja, haben wir. Natürlich hielt das Boot an der Echowand an und mit ein paar kurzweiligen Kommentaren in der Landessprache spielte dann der Kapitän eine Melodie, die ganz klar von der Felswand zurückkam. "Des is moi Bruader!" Jaja.. Aber schön war´s und sogar ein bisschen ergreifend. Weit und breit kein wie von uns erwartetes Dorf, in dem sich wieder Café an Souvenirbude reiht, sondern nichts als Natur. Und der Watzmann, nebst Frau und sieben Kindern. Als wir schließlich im Wallfahrtsort St. Bartholomä anlegten, erwartete uns dort auch nur ein Kirchlein, eine Gaststube und eine Fischräucherei. Schade, dass die kleinen sahnigen Watz
männerburger in unseren Mägen eine Verkostung immer noch unmöglich machten. Und schade, dass das Boot auf dem Rückweg voll war mit Familien mit lautem Nachwuchs, der uns die Stille so gar nicht mehr genießen ließ. Wer hat denn auch geahnt, dass die Blagen heutzutage mehr als ein, zwei Tage Pfingstferien haben?!

In unserem Zuhause für eine Nacht angekommen hatten wir aber langsam doch wieder Appetit und auch wenn ich das Gefühl hatte mir käm das Cholesterin auf Beinchen schon aus den Ohren, Nicole überzeugte mich, dass auch ich in meinem Leben einmal eine Schweinshaxe essen muss. Gesagt getan. Ausgesprochen lecker, aber auch die habe ich beim besten Willen nicht aufessen können und so hinterließ ich auf dem Teller wohl ein typisch norddeutsch touristisches Gematsche. Nicole hingegen kannte sich aus und säuberte den Knochen so fachgerecht, dass man ihn der nächsten Sau glatt wieder implantieren könnte.

Wer jetzt denkt, unser Urlaub hat nur aus Essen bestanden, irrt. Na, zumindest ein bisschen. oder doch nicht so sehr? Egal. Aber man muß sich doch den landesüblichen Gepflogenheiten und kulinarischen Errungenschaften gegenüber offen zeigen, oder?
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