Donnerstag, 27. Dezember 2007

Sehr geehrter Herr von Kar***** aus der Buchabteilung,

leider habe ich versäumt, Ihnen neulich, als ich bei Ihnen an der Kasse den neuen Harry Potter-Band erstanden habe, die Meinung zu geigen. Das möchte ich nun hiermit nachholen. Um Sie kurz an den Sachverhalt zu erinnern: Im großen Weihnachtsgewühl habe ich es gewagt, bei Ihnen oben genanntes Buch zu erstehen, ein Geschenk, das meine Oma mir zu Weihnachten machen wollte. Vor mir an der Kasse, die sie bedienten ohne aufgrund Ihrer Körpergröße wirklich über den Tresen schauen zu können, stand eine junge Frau, die die "Mordspuren" von Mark Bennecke bezahlen wollte. Leider sind Sie nicht auf die Idee gekommen, dass das Mädel das Buch als Geschenk vorgesehen hatte (ist ja auch drei Tage vor Weihnachten einfach zu unwahrscheinlich!) und sich gar nicht selbst für derlei Literatur interessieren könnte. Sie versuchten also sich als sehr belesen zu geben, als Bibliophilen der gescheiten Art. Sie kommentierten also sofort das Werk unseres humorigen Kölners, seines Zeichens forensischer Biologe. Und gaben ungefragt weitere Literaturtipps. "Wenn Ihnen das gefällt, mögen Sie sicher auch ´Die Chemie des Todes´ von Simon Beckett. Ein toller Krimi!" (Kurzer Einwurf von meiner Seite- leider nicht damals sondern erst jetzt: NEIN, nicht jeder, der Bücher über Forensik mag, steht auch auf fiktionale Mordfälle!!! So!) Die junge Frau versuchte Ihren Redeschwall zu unterbrechen und erwiderte, sie habe das Buch bereits gelesen. (Es war offensichtlich, dass sie das nicht hatte, aber sie wollte eben einfach nicht weiter mit Ihnen reden!) "Oh, und wen hatten Sie in Verdacht?" fragten Sie und sie wiegelte ab, sie wisse es nicht mehr genau, es sei jedenfalls der Falsche gewesen. Wie gesagt, mit nur ein wenig mehr Grips als Toastbrot merkte man sofort, das arme Mädchen kannte das Buch nicht und wollte auch nicht weiter darüber mit Ihnen parlieren. Mir wurde angesichts dieses Wortwechsels jedenfalls angst und bang, las ich doch grade selbst diesen Krimi und ich fürchtete- wohl zu Recht - Sie würden nur zu gerne weiterplaudern und mir und allen Umstehenden verraten, wer der Mörder war. Irgendwann war das Mädchen erlöst und ich war an der Reihe. Und Sie weiterhin nicht aufzuhalten.
Als ich das Buch auf den Tresen legte musste ich mir anhören "Oh, Harry Potter. Schon schlimm wie er am Ende umkommt, nicht wahr?" NA DANKE, SIE ARSCHLOCH! Wochenlang bearbeite ich meine Kollegen, die es schon gelesen hatten, mir ja nichts zu verraten, meide im Internet jede Seite, die nur ansatzweise das Phänomen des Zauberers mit der blitzförmigen Narbe behandelt und jetzt kommen Sie mir nichts Dir nichts und quatschen ohne zu denken drauflos! Am liebsten hätte ich Sie mit dem dicken Wälzer zu Boden geprügelt. Ihre Frage "Haben Sie es schon gelesen?" kam leider zu spät. Ich habe Ihnen nur gepresst geantwortet "Nein, weil ich auch den vorherigen Band nicht geschafft habe, da bin ich an Seite 50 hängengeblieben, das fand ich nämlich doof!" und prompt! gaben Sie auch dazu Ihren Kommentar ab. Das Buch sei etwas blöd, "der schwächste Band, wenn Sie mich fragen" (tue ich aber nicht!!!), aber der Film sei einfach genial. Ob ich den denn gesehen hätte? NEIN, ich lese erst das Buch, Du HONK! Jedenfalls werde ich mich nun durch den vorletzten Band bemühen um dann völlig spannungs- und vorfreudefrei das letzte Potter-Abenteuer zu lesen. Dank Ihnen und Ihrer Pseudo-Bildung. Und um noch einen draufzusetzen, Sie dämlicher Kassen-Bedienungs-Zwerg! Ich habe "Die Chemie des Todes" inzwischen zuende gelesen und ICH habe bereits vor der Hälfte den Richtigen in Verdacht gehabt! Bäh! Ätschibätschi!
Mit wenig freundlichen, eigentlich stinksauren Grüßen,
die Siv

P.S: Und ich weiß jetzt wieder ganz sicher, dass ich meine Bücher künftig wieder in der Mayerschen kaufe, denn die Leute da mögen Bücher und vor allem deren Leser wirklich...
P.S. 2: Und ich rede mir jetzt mal fleißig ein, dass sie mit dem "er" in Bezug auf den Mord bei HP mal irgendeinen "Er" meinten...um mir einen Hauch von Illusion zu bewahren!

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