Sonntag, 2. Dezember 2007

Adventskalender - 2. Dezember 2007

Bin ich womöglich eine Schabe?
In Madrid anno 1999 habe ich zum ersten Mal mit diesen widerlichen Viechern Bekanntschaft gemacht, als mir Annika schon im Auto zu unserem Heim für 3 Monate eröffnete, dass wir Mitbewohner haben. Kackbraun, schnell und einfach zum Gänsepelle kriegen. Und sie waren jeden Tag da. Ab ins Internetcafé und recherchiert. Bis zu 5,4km/h sind die schnell, haben sogar Atombombentests auf dem Bikini-Atoll überlebt. Sie überleben auch lange unter Wasser und man sollte tunlichst nicht drauftreten, denn die Tragen ihre Eier eine Weile mit sich rum und man verteilt die dann quasi selbst in der Wohnung. Brrrr...Aber lichtscheu sind sie und so brannte bei uns die ein oder andere Nacht das Licht. Sogar bei mir und in meinem Zimmer war in drei Monaten keine einzige der gemeinen Schaben. Aber mein Verhältnis zu ihnen war dennoch mehr als gestört und als mein Spanisch endlich reichte um zu wissen, was La cucaracha heisst, hätte ich morgens im Bus beinahe mal einen singenden Spanier verhauen.
Wir wurden aber schnell Profis was alle Sorten Gift angeht. das Pulver versetzte zwar die Wohnung in einen desolaten Zustand, half aber nicht wirklich. Das Spray, das Annikas Mutter aus Deutschland mitbrachte hatte zwar was von einem Raumduft, rief aber bei den Viechern allenfalls hervor, dass sie sich totlachten. Am wirksamsten war das in Spanien gekaufte Spray aus dem Leverkusener Haus, Namen nur nach Anfrage, will ja keine Schleichwerbung machen. Wir haben wirklich alles damit eingesprüht. Türschlitze, Steckdosen, Fensterrahmen. Und weil die Tierchen zwar unglaublichen Überlebenswillen haben, aber doch nicht so recht mit der Zeit gegangen sind krabbelten sie drüber, schmissen sich auf ihren Panzer, strampelten noch ein wenig und dann - EXITUS. Patient tot, Bewohnerin(nen) hysterisch. Immerhin war wenigstens Annika tapfer und konnte die Kadaver beseitigen, ich habe das nie geschafft. Für unsere Besucher wurde es zur Mutprobe, jeder wollte sich beweisen und die Leichen entsorgen- nur ich habe mich da bis zum Schluß im Hintergrund gehalten. Vor allem weil wir ab dem Tag an dem es draußen wärmer war als in unserer Wohnung (das war aber erst kurz vor meiner Abreise) keine Krabbeltiere mehr hatten- Mann, war unser Besuch enttäuscht!
Na, und nun muss ich lesen, dass diese Wesen und ich doch eine ganz wesentliche Eigenschaft teilen: Sie sind auch Morgenmuffel! Schaben lernen abends besser als morgens, fanden Biologen aus Nashville heraus. Wie die das gemacht haben? Die armen Probanten (ja, wenn ich sowas lese, kriege ich fast Mitleid) sollten Aromen mit Nahrung verbinden und wenn sie das abends geübt haben, wussten sie es zwei Tage später noch, war morgens Unterricht war nach 10 Minuten alles vergessen. Wie bei mir! Wer will, dass ich mir was merke sollte mich auch tunlichst morgens in Ruhe lassen, zuhören kann ich nämlich erst ab Mittag. Nur dass unsere "Kantine" auch dann nicht dazu einlädt sich die Aromen der Nahrung einzuprägen, aber das ist eine andere Sache. Mahlzeit!

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