Nun, schlappe 16 (!) Jahre später war ich mehr als gespannt auf das Konzert der "Faking to blend in"-Tour. Und wenn das Konzert scheiße sein würde, dann könnte man ja wenigstens noch über das Publikum lästern. So der Plan. Aber das Publikum war in Ordnung, die meisten ebenfalls Mitte 30, eine unangenehme Überraschung wie bei Damien Rice im März blieb also aus. Dann kam die Vorband. Kurz gefasst kann ich leider nur sagen- ich habe selten so unbeteiligte Gesichter unter Zuschauern, so zögernden Applaus erlebt. Ich musste erst mal googlen wie diese Combo nun wirklich hieß- Delbo war es wohl. Jedes Wort darüber wäre zuviel, letztlich schienen genau 4 Jungs Spaß an deren Gig zu haben- und das waren die Musiker selbst. Da hatten die Besucher in anderen Städten mit anderen Vorbands offensichtlich mehr Glück. Oh weia, wenn das so weitergehen sollte, wir befürchteten schlimmstes...
Aber diese Angst war völlig unbegründet! Ebenso die, dass Boa womöglich hauptsächlich Songs von seinem neuen Album spielen würde. Die sind zwar fast durchweg gut, reichen jedoch nicht an die Klassiker ran. Aber schon mit dem zweiten Song begann die Reise in meine Jugend- "I dedicate my soul to you". Im gelungenen Wechsel mit neuen Klängen tauchten schon schnell "This is Michael", "Annie flies a lovebomber" und "Love on sale" auf. Die Stimmung kochte sofort, umso deutlicher wurde, dass die Vorband vor allem eines war- überflüssig. Auch unplugged sind Phillip Boa und seine Band einfach klasse und ich bilde mir ein, er hatte heute Abend richtig Spaß auf der Bühne. Zwar ist die Zeit weder an ihm noch an Pia Lunda ganz spurlos vorbeigegangen, aber sie ist immer noch eine tolle Frau mit einer noch tolleren Stimme -und die Jungs pfeifen ihr immer noch hinterher.. ;-) Gegen Ende eines ca. zweistündigen Konzerts fehlten mir eigentlich nur noch drei Titel zum absoluten Glück- und was soll ich sagen: sie kamen alle noch in den 6 (!) Zugaben! "Container Love", "And then she kissed her" und last but not least "Kill your ideals!". Damit war der ohnehin sehr schöne Abend einfach perfekt und ich fühlte mich noch mal so als wär ich 19!!! Immer wieder Gänsehautmomente, unvergesslich. Besser ging nicht. Liest man hingegen die Presseberichte der letzten Zeit muss ich mich fragen, auf wessen Konzerten die Herren Schreiberlinge waren, das Kölner Konzert dürfte jedenfalls niemanden enttäuscht haben. Boas Eskapaden aus den 90ern interessieren nun heute wirklich keinen mehr, aber offensichtlich gehört Stänkern bei vielen der schreibenden Zunft einfach dazu. Das Konzert im Kölner Gloria war vor allem eins- EINFACH GEIL!
...und ich finde ihn immer noch sexy! :-)
edit: Eine Woche später- und ich bin immer noch total euphorisch, glücklich. Man kann es wirklich nicht in Worte fassen und "Faking to blend in" läuft hier rauf und runter. Morgens im Auto zum Büro, abends auf dem Weg zurück, zuhause sowieso. Irgendwie unwirklich, was das mit mir macht. Da Herr Boa jetzt mein Freund ist (zwar nur bei MySpace, aber immerhin ;-)), kann ich auch endlich seinen eigenen Tour-Blog lesen und es war wie empfunden, die Voodooclubs hatten Spaß in Köln.
Hier was er selbst dazu schreibt (Auszug):
"[...] 22:00 : we are on, the show in koeln is : sold out! and it feels like a "home"-show" from the first minute on.... the gloria is great to play... time flies by... we are happy... i look at my musicians and discover that i really do like those guys a lot... diana : goes mad again ..... pia says i should talk more to the audience....... what the hell - i am not a comedian or an entertainer......but before "kill your ideals" i decide to hold a long speech.. .some of it good, some of it not....[...] "kill your ideals" goes down like a monster.....me and moses perform a stockhausen-like- improvisation.... at least we believe that...... the audience goes crazy, make us feel homely ...me and toett feel like throwing instruments around yeah ......happiness is a warm gun!!!!"
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