Unsere Frage hätte lauten müssen „Was heißt eigentlich Ü30? Stellen wir uns doch mal ganz dumm“.
Ü30 heißt eben wirklich nur Ü30, es heißt nicht lustige, nette Menschen über 30 bis sagen wir 45, die eine ähnliche Art von Spaß suchen wie wir. Ü30 kennt im wahren Leben keine Grenze nach oben in Bezug aufs Alter, in Bezug auf alles andere keine Grenze nach unten. Frank und Tim haben es gewusst. Woher lassen wir jetzt mal dahingestellt. Aber sie sollten recht behalten. Schon als wir Dana am Heumarkt eingesammelt hatten und uns aufmachten gen KD-Anlegestelle überkamen uns ein paar Zweifel, aber hey, schließlich ist das unser Jahr und da macht frau eben alles mal mit! Und tatsächlich wartete schon eine ganz schöne Schlange. Eine Schlange von Ü45-Ü50ern! Eine Schlange von Schnauzbartträgern! Eine Schlange von Karo gehemdeden Männern! Eine Schlange von Frauen, die auch jedem Klischee entsprachen, das wir von Besucherinnen derartiger Veranstaltungen haben. Wir brachen direkt in schallendes Gelächter aus, allerdings ein eher verzweifeltes, leicht hysterisches. DAS konnte nun wirklich nicht wahr sein! Wenn ich es nicht besser wüsste würde ich vermuten Frank und Tim haben das arrangiert, haben sie mir doch eine Ansammlung von prähistorischen Schnauzbartträgern in Karohemden prophezeit... Dann trudelten nach und nach Silkes Mädels ein und eine Kollegin berichtete schon von der ersten Begegnung der dritten Art. Hatte sie doch eine seltsame Frau an der Bahn getroffen, die sie über den Heumarkt geleiten sollte- und die natürlich zielstrebig auf unsere Party zusteuerte und drohte uns noch öfters mit ihrer Anwesenheit zu beglücken. Sie genauer zu beschreiben wäre gemein, aber wir durften ihr tatsächlich noch das ein oder andere Mal an diesem Abend begegnen. Sagen wir mal so, sie rang uns auch ein bisschen Bewunderung ab. So ganz allein in einer derartigen Verfassung auf so eine Feierlichkeit zu gehen spricht wohl schon von großer Verzweifelung. So, da waren wir uns schnell einig, wollen wir nie enden. Simone stellte schnell die Fragen aller Fragen: „Wo verkriechen die sich tagsüber alle? Aus welchen Löchern kommen die grade gekrochen?“ Keine Ahnung, vermutlich aus dem Casting von Big Brother- es waren die abgelehnten Kandidaten. Anders konnte es nicht sein.
Nachdem wir also alle Schnauzbartträger in unserer Umgebung unter die Lupe genommen hatten, und uns noch über einen Herrn wunderten, der grade noch genüsslich in einen von Tsatziki überquellenden Döner biss, sich das mit wilden Flammen überzogene Hemd aber doch noch nicht zugekleckerte (was glaubt der eigentlich bei wem er in dieser Ausstattung landen konnte?) ging es an Bord. Coole Lästerparty! Versprach doch lustig zu werden! Wir freuten uns beinahe als noch 2 Junggesellenabschiede Kurs auf das Schiff nahmen, immerhin waren die wirklich nur Ü30- und vergeben. Yiehaa! Auch dem ein oder anderen Teilnehmer dieser „Männer-wehe wenn sie losgelassen-Grüppchen“ ging ein Lächeln übers Gesicht als er unsere Truppe sah, waren wir doch eben auch noch nicht kurz vorm Rentenalter und auch sonst ganz ansehnlich. ;-) Prompt hatte Simone noch vor Betreten der Gangway die aufdringliche Dame von vorhin angezogen, die mit einem Blick auf ihre Quittung schrill meinte „Müssen wir da das Datum draufschreiben???“ Simone erstarrte vor Schreck. Äh, nein, ich weiß es nicht! „Haste die gewonnen?“ Simones Gesichtsausdruck rührte Dana und mich fast zu Tränen- vor Lachen. Was wäre das für ein Hauptgewinn gewesen!!! Als wir dann Kurs aufs Boot nahmen, stapfte hinter uns ein nur noch entfernt mitteljunger Mann an uns vorbei mit den Worten „Ladys, hier liegt kein Sand, hier könnt ihr rennen!“ Ja, Du Nerd, aber wir wollen grade lieber die Richtung wechseln! Mannomann! Naja, an Bord und erstmal schnell aufs Achterdeck an die frische Luft. Schnell waren wir umringt von Karohemden, seltsamen Gruppen ausgestattet mit Unmengen kleinen Feiglingen im Sektkühler, Trillerpfeifen und Tambourinen, deren weibliche Teilnehmer sich nach nur wenigen Minuten an den Patschehändchen fassten und so ne Art Discofox aufs Parkett legten. Schnell ein Bier, obwohl Simone wegen des Antibiotikadopings sich auf dieses eine beschränken musste- das eine war nötig. Dringend! Die Musik erinnerte an Ballermann und das Schiff sollte erst 30 Minuten später ablegen! Kaum verließen wir die sichere Anlegestelle wurden wir hochmotiviert aufgefordert unter allen Kölner Brücken ein Jubel- und Pfeifkonzert anzustimmen, wir hingegen waren nur froh, dass uns in der Menge niemand von außen erkennen konnte. Bereits bei Rodenkirchen hatten Dana, Simone und ich uns aufs Vorderdeck vorgearbeitet und genossen die Fahrt, das heitere Veedel-Raten und vor allem die Beinahe-Ruhe. Wenn da nur nicht dieser aufdringliche Express-Fotograf gewesen wäre, den wir zuvor schon etwas ungehalten abservierten als er uns unbedingt ablichten wollten und der nun endlich dankbare Opfer gefunden hatte, die sich wie Leonardo di Caprio und Kate Winslet an den Fahnenmast klammerten und mit ihren Ärmchen die Kölner Welt umarmen wollten. Hatte ich erwähnt, dass auch der Part von Leo von einer Dame mittleren Alters übernommen worden war? Naja, etwas später fanden sich dort dann auch Pärchen ein, die auf eine ähnlich, na, sagen wir mal „romantische“ Idee gekommen waren- Zeit diesen gastlichen Ort zu verlassen. Immerhin hatten wir Pläne geschmiedet von lauschigen Spaziergängen am Rheinufer, illegalen Lagerfeuern am Rheinstrand und uns schöne Penthouse-Wohnungen mit Wasserblick ausgesucht. Das Inspizieren der diversen Tanzflächen brachte uns trotz alkoholischer Unterstützung nicht weiter, denn zwischen „Ein Stern, der Deinen Namen trägt“ und BAP passt immer noch „Viva Colonia“. Immerhin kamen wir uns bei den Jungs nicht in die Quere, waren diese doch nicht so wählerisch. „Hat vielleicht eine der jungen Damen Lust auf ein Tänzchen?“. Kaum wieder auf halben weg nach draußen, hatte ich plötzlich einen jungen Mann an der Hand- wo kam denn der jetzt her? Dachte es und entzog ihm meine Hand. „Hey, nun sei doch nicht gleich böse! Was erschreckst Du denn so“, sagte der tatsächlich noch recht attraktive Mittdreißiger, „Wo kommst DU her?“ Genervt ob dieser plumpen Vertraulichkeit scannte ich noch schnell ob dieser Mensch womöglich aus Ostfriesland kam und wir gar die Schulbank gemeinsam gedrückt hätten- war ja in der Vergangenheit immer wieder vorgekommen, aber nein. Der hier hatte keine Entschuldigung und das ganze entpuppte sich wieder als der unoriginelle Versuch nach dem Muster „Ich hab Dich aber schon irgendwo mal gesehen!“ Boah, nee! Naja, er merkte schnell, dass er Leine ziehen durfte. Der Rentner, der sich Simone plump näherte allerdings auch, ließ sie aber wieder zweifeln warum immer grade die ganz Alten den Weg zu ihr fanden.
Kaum von Bord noch schnell einen (zum Teil alkoholfreien) Cocktail mit dem wohlklingenden Namen „Pussy Foot“ unter Touri-Massen und dann nix wie nach hause. Aber was soll ich sagen- es ist unser Jahr und der Abend war zumindest eines: eine Erfahrung!
edit: Die CD zum Mega-Event ist ab dem 29.6.2007 im gemeinen Tonträgerladen käuflich zu erwerben.- Sollten Fotos von uns im Express erscheinen, vierteilen wir den Fotografen nachdem wir ihn über das Recht am eigenen Bild aufgeklärt haben ((§ 22 Satz 1 KunstUrhG)- Ede Zimmermann hätte seine wahre Freude gehabt: "Er trug zur Tatzeit einen Oberlippenbart", danke für den sachdienlichen Hinweis ;-) -
1 Kommentar:
Vielen Dank für die zusammenfassenden Worte des grandiosen Abends. *lach*
Dana und Dich buche ich jetzt immer als Köln-Guide. Ich weiss jetzt das der Stadtteil Köln Weiß rieeeesen gross sein muss, auch wenn auf der linken Seite die Stadtteile andere Namen bekamen war rechts immer der Stadtteil Weiß. :o)
Kenne jetzt Krokodil, Krokolino und Frika und ausserdem werden Ufos im südlichen Stadtteil Weiß gebaut!
Ich fand es lustig mit Euch, ich war nicht seekrank und mit Dana üben wir noch die Junx-Ohnmachts-Anfälle! *grins*
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